Metrobasel als Campus und Petrischale

Einbettung ins zukünftige Umfeld

Als stark exportorientierte Region wird sich Metrobasel auch in den nächsten Jahrzehnten nicht im luftleeren Raum entwickeln, sondern von vielfältigen Trends und Strömungen mitbetroffen sein. Im Folgenden werden kurz die wichtigsten (sogenannten) Megatrends und ihr potenzieller Einfluss auf unsere Region dargestellt.

Ausgangslage 2013

Die bedeutendste Branche der Metropolitanregion Basel ist die Life Sciences Industrie, die rund einen Fünftel zur Wertschöpfung (BIP) unserer Region beiträgt. Ihre Bedeutung für das Wachstum ist enorm, da die Life Sciences seit 2000 mehr als die Hälfte zum Wachstum des regionalen BIP beigetragen haben. Die anderen Wirtschaftszweige mit Exportcharakter (Investitionsgüterindustrie, Banken, Versicherungen, Logistik, Messewesen, Tourismus) tragen ebenfalls zur Wertschöpfung unserer Region bei, aber deutlich weniger. Die eher binnenorientierten Branchen (Bau, Detailhandel, Staat etc) hängen zu einem grossen Teil direkt und indirekt von den Exportbranchen ab.

Die Life Sciences haben sich in der Region in den letzten Jahrzehnten äusserst dynamisch entwickelt. Betrug ihr Anteil 1980 erst knapp 4 Prozent, stieg dieser Wert 1990 auf über 6 Prozent, im Jahr 2000 auf über 11 Prozent und heute rund 20 Prozent.

Die regionalen Life Sciences spielen sowohl bezüglich Grösse als auch Dynamik in der Weltliga. Unsere Region ist der grösste Life Sciences Standort Europas und kann mit den globalen Spitzenreitern in Nordamerika (New York, Boston, New Jersey, Kalifornien) und Ostasien (Singapur, Shanghai) mithalten.

Megatrend Soziodemografie

Die Weltbevölkerung wird trotz tiefer Geburtenrate wegen der steigenden Lebenserwartung weiter wachsen. In den industrialisierten Ländern liegt immer mehr Einkommen bei den über 60-Jährigen, in den Schwellenländern steigt die Kaufkraft der Mittelklasse deutlich an. Die Rollen von Männern und Frauen gleichen sich langsam an, insbesondere bezüglich Bildung und Arbeitsmarkt. Der steigende Arbeitskräftebedarf in Europa kann durch steigende Erwerbsquoten bei den Frauen nicht wettgemacht werden.

Der Effekt für die Region Metrobasel ist mehrheitlich positiv. Es wird global mehr und mehr zahlungskräftige potenzielle Nachfrager für Life Sciences-Produkte geben. Dank hoher Löhne und hoher Lebensqualität werden wir vom Fachkräftemangel unterdurchschnittlich betroffen sein.

Megatrend Technischer Fortschritt

Der technologische Wandel geht unvermindert weiter und wird durch Miniaturisierung, Elektronisierung und Digitalisierung weitere Gebiete erfassen. Bereits im 2030 wird der Preis für einen Chip auf einen Rappen sinken und Chipanwendungen ubiquitär. Der 3-D-Drucker könnte unser Leben revolutionieren. Der Trend zur „personalised medicine“ ist das Ende der Pharma-Blockbuster; es wird möglich Organe zu züchten. Der Trend geht in Richtung einer Verbindung von Diagnostik, ICT (information and communications technology) und Pharma.

Der Effekt für die Region Metrobasel ist mehrheitlich positiv. Hohe Innovationsraten sind für unseren innovativen Standort ein Vorteil. Allerdings muss der Schritt von Pharma in Richtung ICT gelingen.

Megatrend Globalisierung

Die Liberalisierung der Märkte (in erster Linie von handelbare Waren) wird mit sinkenden Margen den Konkurrenzdruck und damit Standortwettbewerb erhöhen und die Spezialisierung fördern. Auch bei handelbaren Dienstleistungen wird die Internationalisierung zunehmen. Supranationale Regeln werden zunehmen. Die Globalisierung von Informationen führt auch zu einer Globalisierung von Ideen (Politik, Weltanschauung).

Der Effekt für die Region Metrobasel ist mehrheitlich positiv. Freier Handel ist für eine kleine offene Volkswirtschaft (wie Metrobasel) essentiell, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind bei uns überdurchschnittlich gut und globalisierte Regeln werden eher anspruchsvoll sein.

Megatrend Ökologie

Ökologische Aspekte werden zunehmend wichtiger. Die Erderwärmung nimmt zu, ebenso wetterbedingte Naturkatastrophen. Dadurch steigt die Bedeutung von Umweltschutz und nachhaltigem Denken. Das Erdöl spielt weiterhin eine Rolle in der Energieversorgung, erneuerbare Energiequellen gewinnen jedoch an Bedeutung. Energie und Mobilität werden teurer. .

Der Effekt für die Region Metrobasel ist mehrheitlich neutral. Unsere Region ist sowohl vom Klimawandel als auch von den steigenden Energie- und Mobilitätskosten weniger stark betroffen als die übrige Welt. Durch grosse Investitionen in erneuerbare Energien und durch systematische Energieeinsparungen wird der Preiseffekt für die Region Metrobasel verkraftbar sein.

2050 setzen wir uns am Morgen auf die Toilette, welche unsere Ausscheidungen analysiert und die relevanten Daten an den 3D-Drucker in der Küche übermittelt, welcher frühstücksgerecht die entsprechenden Nahrungsergänzungs- oder Heilmittel produziert.
Dominik Egli

Zusammenfassend darf Metrobasel als innovative und exportorientierte Region tendenziell optimistisch in die Zukunft blicken. Wir müssen aber unsere Stärken (den metrobasel spirit einerseits und die guten Rahmenbedingungen andererseits) pflegen und weiter verbessern.

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  1. Jürg Richner sagt:

    Es gibt kaum eine mehr integrierte and auf Basel ausgerichtete Region in Europa als die Troi Region.
    Gerne würde ich einen neue Politische Kreation in Realität sehen bei 2050.

    Nähmlich eine Öko-Region, ein Zwitter aus Arbeits- und Ökonomie Einheit und politsche unabhängige Region, ohne aber einen Staat zu sein. Etwas neues in der Welt – Regio Basilensis.